Weiter geht’s oder Streetwork am Vatertag

 

Dadurch dass wir in der Sommer-Saison alle 4 Wochen in die Verteilung gehen, steht nun auch verstärkt der Streetwork wieder im Vordergrund.

 

Donnerstag 18:00 Uhr ging es los, neues Team, bestehend aus Stephan und Benny. Kurze Einweisung was wichtig ist und was wir mitnehmen. Zu den wichtigsten Dingen gehört die Verschwiegenheit. Dazu gehören Namen, Orte und persönliche Belange. Um aber euch auch zu Berichten was wir so machen, werden in Texten immer Namen und Orte geändert.

 

 

Im Lager stellten wir dann alles zusammen, von Hygiene, Schlafsäcke, Isomatten, Erste Hilfe, Getränke und Baumkuchen. Wir haben festgestellt, Schoko und Süß kommt immer gut an und hilft den Kreislauf zu puschen.

 

 

Nachdem wir startklar waren ging es zur ersten „Platte“. Wie ihr wisst ist eine Platte der feste Schlafplatz der Obdachlosen. Es ist eine recht große Platte von 6 Personen, erstaunlicherweise für die Uhrzeit alle munter und recht nüchtern.

Wir hatten uns aufgeteilt, Stephan übernahm die erste Ansprache und stellte Benny vor. Zu Stephan haben unsere Schützlinge vertrauen, schließlich kennen sie ihn schon seit Dezember im Streetwork und an der Front bei Verteilungen.

 

Benny assistierte zuerst, begann dann aber recht schnell selbstständig die Obdachlosen zu versorgen. So sorgte er fürs Essen und Trinken und gab Schlafsäcke und Hygiene aus. Stephan versorgte solange die Wunden, wobei Peter* richtig was zu tun gab. Es war nicht nur der Verbandwechsel am Fuß, es gab auch aufgekratzte Mückenstiche auf den Schulterblättern und eine tiefe, entzündete Schnittwunde am Handrücken. Fuß und Rücken waren nicht das Problem, eher die entzündete Schnittwunde. Der Handrücken war geschwollen, rötlich und die Wunde selber verdreckt und eitrig. Keine Striemen zu sehen, puh. Ok ran ans Werk, Octenisept und Pinzette raus und erstmal spülen. Eiter, Dreck und krustiges Blut hat da nichts drin zu suchen, also raus damit.

Jeder weiß, dass normalerweise Fremdkörper nicht selbst entfernt werden sollten, aber Peter* wollte auf keinen Fall ins Krankenhaus. Da sich der Glassplitter durchs Spülen aber entfernen ließ, stellte sich das nicht so als schlimm dar. Kein Bluten, alles gut, Beta-Salbe drauf und so steril es geht verbinden. Sein Kollege Klaus passt auf ihn auf, Kaus ist die gute Seele der Gruppe. Er spricht am besten Deutsch und übersetzt alles was zum Thema Wundversorgung wichtig ist. Der Rest war eigentlich nichts schlimmes, ein Hautauschlag, wo eine Creme langt.

 

 

Durch ein Zufall traf ich an der Platte, Sascha, einen Freund, der beruflich als Rettungs-Sanitäter unterwegs, für das Deutsche Rote Kreuz, war. Er half mir bei der Feststellung des SpO2, dieser Wert stellt sich aus Puls und Sauerstoffsättigung zusammen. Gute Werte sind puls zwischen 60-80 und Sättigung über 95%. Bei Peter* lag die Sättigung bei 93% und ein Puls bei 113/min, nicht toll, aber auch durch den Alkohol erklärbar. Wir denken auch durch Entzugserscheinungen zu erklären.

 

 

Wir entschieden uns am Samstag diese Platte wieder zu besuchen.

 

Also alles wieder einpacken und weiter geht’s. Harburg hat ja den Nachteil, dass fast alle von ihren Platten vertrieben werden und wir auf der ewigen Suche sind. 2 Gründe um erstmal unser PK46 einen Besuch ab zu statten, erstens um vom Truppenführer neue Informationen zu bekommen und um Benny als Streetworker vorzustellen. Wie immer war unser Hauptkommissar zuvorkommend und um Hilfe bemüht. Er gab uns 2-3 Orte wo in den letzten Tagen geräumt wurde.

 

Bevor wir diese Orte aufsuchen, ging es weiter zu den Kollegen von der Bundespolizei am Harburger Bahnhof. Zu diesem Zeitpunkt war aber nur eine neue Unterstützung da, die sich noch nicht so gut hier auskannte.

 

Na gut wir hatten ja noch ein paar Tipps, die wir auch aufsuchten. Eine kleine Platte wurde gefunden, gut versorgt, so dass wir sie nur mit Trinken und Essen versorgen brauchten.

 

 

Mittlerweile hatten wir es schon 22:00 Uhr und wir beschlossen noch den letzten Ort aufzusuchen.

 

Zu Fuß ging es dann einmal quer durch den S-Bahnhof zu einer Grünanlage, leider Leer.

 

Wenn hier je welche auf Platte waren, ist dieses aber schon lange her. Na gut, für Heute langt es und wir machten Feierabend.

 

 

Unser Fazit: Viele verlassene Platten, aber die wir gefunden haben, konnten wir gut helfen. Einige Wünsche für unseren nächsten Besuch haben wir bekommen, die wir ohne weiteres auch erfüllen können. Nur der Bereich der Ersten-Hilfe ist mau bestückt. Uns fehlt es fast an allem, vom Erste-Hilfe-Rucksack, Verbandsmaterial, sterile Pinzetten, Cortison-haltige-Salben (z.B. Fenistil Gel), Sonnenschutz, Augen- und Nasentropfen, Halsschmerztabletten, Wundsalbe, Wunddesinfektion (ohne Alkohol), Neurodermitis-Lotion, Traubenzucker-Bonbons und Medikamente gegen Heuschnupfen.

 

Das ist so viel, dass wir dafür einen Bedarf auf Betterplace machen. Sollte der eine oder andere Leser vielleicht was zu Hause haben, was er nicht braucht, wir nehmen es gerne.

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Frank Hilper (Samstag, 27 Mai 2017 18:06)

    hast Du Tamara schon mal daran gedacht , das mal anfragen bei den Harburgern, was die Auto/LKW-Fahrer /Unternehmen mit ihren "alten" Verbandskästen machen...ich weis das ein paar LKW-Unternehmer in der Gruppe : Harburger wenn....sind...gruß Frank....
    und wenn ihr mal jemanden am Wochenende zum Fahren beaucht...ich habe einen eigenen Transporter...kostenlos selbstverständich...

  • #2

    Tamara (Samstag, 27 Mai 2017 18:19)

    Genial das wäre natürlich klasse. Vielen Dank für den Tipp. Verbandskästen haben wir schon mal ne ganze Ladung bekommen durch ein Vereinsmitglied. Aber daran dann gar nicht mehr gedacht. Freu

  • #3

    Angie (Dienstag, 30 Mai 2017 00:06)

    Hi,
    !!! Nimm die 46.....
    Pk45 gibt es schon lange nicht mehr�

  • #4

    Helfer mit Herz (Dienstag, 30 Mai 2017 00:13)

    Oh Dankeschön, Schreibfehler änder ich sofort. Daran sieht man das einige gründlich lesen. Das freut mich.

    Dein Helfer mit Herz



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